Länger
als gedacht

Wer sich wie ich beruflich
viel mit Zukunft beschäftigt, lernt eine Lektion schnell: Es
dauert immer alles länger als geplant. Die Richtung zukünftiger
Entwicklungen vorherzusagen, ist nicht so schwer. Viel schwieriger
ist es, die Geschwindigkeit einer Entwicklung vorherzusehen.
Nehmen Sie nur das Internet.
Wenig von dem, was damals, in der Euphorie der "New Economy",
prognostiziert wurde, war völlig falsch. Es gibt mittlerweile
einen E-Commerce. Doch wenn Sie sich die Prognosen von damals anschauen,
stellen Sie fest, dass wir von den vorhergesagten riesigen Marktanteilen
noch weit entfernt sind. Ein klassischer Fall von gemächlichem
Entwicklungstempo.
Noch weiter zurück
reicht meine Erinnerung zu einem meiner Lieblingsthemen, dem Werte-Wandel.
Schon in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es da die
Ausrufung des "Postmaterialistischen Zeitalters" zu verzeichnen.
Was folgte, waren die Achtziger mit ihrer Betonung des äusserlichen
"Life-Styles", und die Neunziger, in denen man nur noch
Dollarzeichen in den Augen sah.
Fehlprognose also? Nein.
In meinen Forschungen sehe ich deutliche Anzeichen dafür, dass
wir uns einem postmaterialistischen Zeitalter annähern. Aber
eben langsam und behutsam. Der Wandel von Quantität zu Qualität,
von Geld zu Geist erfolgt nicht über Nacht, er wird noch Jahre
und Jahrzehnte dauern. Aber Hoffnung ist durchaus angebracht.
Ähnliches gilt für
den "Megatrend Individualisierung". Den gibt es zwar eindeutig,
doch seine Potenziale sind noch längst nicht ausgeschöpft.
Noch immer getrauen wir uns viel zu wenig, wirklich zu unserem einzigartigen
und unverwechselbaren Eigenen zu stehen.
Dabei gehört die Zukunft
doch den Eigensinnigen, wie ich in einem gerade fertig gestellten
Buch ("EigenSinn
macht Sinn") festgestellt habe...
In diesem Sinne wünsche
ich Ihnen viel EigenSinn (und einen schönen Frühling natürlich).
Wald AR (Schweiz), Februar
2007

Das Editorial 09-06 "EigenSinn"
finden Sie hier.
Das Editorial 02-06 "Optimistische
Zufriedenheit" finden Sie hier.
Das Editorial 09-05 "Lob
der Langsamkeit!" finden Sie hier.
Das Editorial 07-05 "Rettet
das Individuum!" finden Sie hier.